Yamanote Halloween - Anarchie in der Tokyoter U-Bahn
October 25th, 2005 at 12:35am Alexander Müller
Wer schon einmal in Tokyo war, kennt sie auf alle Fälle. Vielen weiteren wird sie aus dem Fernsehen bekannt sein, wenn Bilder von behandschuhten Bahnangestellten gezeigt werden, die Menschenmassen in der morgendlichen Rush-Hour in Züge verfrachten. Die Rede ist von der Yamanote-Line, der Ringlinie von Japan Railways, die wie eine große Raupe um den Stadtkern Tokyos zieht.

Von vielen gehasst, die sich morgens mit ihr zur Arbeit begeben müssen, ist sie Bestandteil fast jedes touristischen Programms in Japan. Der Lonely Planet empfiehlt sogar, mit ihr eine Runde zu drehen, um die einzelnen fragmentierten Stadtteile von Tokyo kennenzulernen.
Die Fahrt ist günstig: in Japan zahlt man beim Betreten und Verlassen des Bahnhofs, so dass eine Runde mit der Yamanote-Line (bzw. eine Runde plus einen Bahnhof, da man nicht am gleichen Bahnhof wieder raus kann) schlappe 130 Yen kosten (etwa 1 €).
Die meisten Bewohner Tokyos vermeiden es, mit der Yamanote zu fahren, da schon kurze Fahrten zur falschen Zeit zur Tortur werden können. Besonders klaustrophobische Ausländer haben geradezu einen Hass auf die Yamanote Line entwickelt. Dieser Hass wird einmal im Jahr kanalisiert rausgelassen - in der sog. YAMANOTE HALLOWEEN PARTY.
Die Einladung beschreibt sehr treffend, um was es dabei geht:
Hate Yamamote? Love Beer? This coming Saturday will reconcile you with crowded Japanese trains - at the world-famous Yamanote Halloween party! It’s organised by no one - hundreds of people gather on the same platform in Shinjuku and then just everybody hops on the same train. Sounds crazy? This anarchistic party has been a major hit in Tokyo’s roaring 1990s. At least 1,000 people, half of them Japanese, half Gaijin, went round and round for hours in a butt-normal Yamanote train - until police kicked them out. Yeah, sooner or later somebody has to clear the wagons to make space for those many well-behaving, sober students and businessmen that normally fill late-night trains. Don’t worry - nobody will arrest you for drinking and singing on the train - just keep your ticket!
Die Party ist für nächsten Samstag geplant. Treffpunkt ist halb neun Uhr abends auf der Plattform 13 des Bahnhofs Shinjuku. Getränke sind selber mitzubringen.
- Eine Photokollage von früheren Parties gibt es hier zu sehen. Sehr lustig!
- Einen anschaulichen Erfahrungsbericht aus den Yamanote-Parties der 1990er Jahre hat Christoph Neumann geschrieben, hier einzusehen.
Es sei angemerkt, dass die Tokyoter Stadtverwaltung (unter Bürgermeister Ishihara, der - vorsichtig ausgedrückt - teilweise eine recht radikale Ansichtsweise vertritt, was die Vertrauenswürdigkeit von Ausländern in Japan angeht) die Party als öffentliches Ärgernis wahrnimmt, und daher ein Großaufgebot von Polizisten bereitstellen wird. Sofern man sich allerdings nicht grob daneben benimmt, dürfte die Teilnahme an sich kein Problem werden. Viel Vergnügen!
Dieser Beitrag gehört zu den Kategorien Leben in Japan und ihm wurden die Keywords yamanote, zug, bahn, tokyo, japan, fun zugeordnet (Tag-Wolke anzeigen).
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2 Comments Add your own
1. え~っと [e:to | jap.&hellip | October 31st, 2005 at 6:18 pm
[…] Update zum Yamanote Line Halloween Event. […]
2. え~っと [e:to | jap.&hellip | October 2nd, 2006 at 11:22 pm
[…] Heute möchte ich von dem Stadtteil Tokyos berichten, in dem ich etwas mehr als ein Jahr gelebt habe. Kagurazaka befindet sich direkt im Mittelpunkt von Tokyo, genau im Zentrum der Yamanote-Ringlinie, die die Metropole umspannt. Zu Fuß sind es im Süden etwa 10 Minuten bis zum Kaiserpalast, im Westen 15 Minuten zu den Wolkenkratzern von Shinjuku und im Osten 15 Minuten zu den Neonröhren von Akihabara Electric Town. […]
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